HIV-positiv!!?Die Texte wurden bearbeitet aus der Broschüre: "HIV-positiv – was tun?" der Aids-Hilfe Schweiz entnommen.Alle Namen und allfällige Angaben zur Person bei den gekennzeichneten Zitaten Betroffener wurden zum Schutz der Identität verändert. HIV-positiv!!?Auch wenn Sie sich vielleicht schon Sorgen wegen dem Ergebnis gemacht haben: Die Gewissheit, sich angesteckt zu haben, wirkt im ersten Moment auf viele wie ein schwerer Schlag. Einige werden überschwemmt von Angst oder Verzweiflung, andere fühlen sich völlig kraftlos oder einem tiefen Schmerz ausgeliefert. Ein Chaos unterschiedlicher Gefühle kann die erste Zeit nach der Mitteilung des positiven Testergebnisses bestimmen."Es war so ein Schock, ich war völlig hilflos, wusste nicht wie, was und wo. Ich hab so einen Druck in mir gespürt, mir ist heiß und kalt geworden, ich hab gedacht, ich müsste davonrennen – und beim Arbeiten musste ich so tun, als ob nichts wäre." Christa, 55 Jahre Dies sind verständliche und nachvollziehbare Reaktionen auf die Mitteilung des positiven Testresultats, denn durch die HIV-Infektion ist die Gesundheit ernsthaft gefährdet. Und dennoch, auch wenn es im ersten Moment vielleicht noch nicht vorstellbar ist: Die Erfahrung zeigt, dass HIV-positive Menschen mit der Zeit eigene Wege finden, mit der Tatsache der Infektion zurechtzukommen. Am Anfang kann es durchaus sinnvoll sein, sich den Gefühlen auch mal zu überlassen und das «Durchhängen» zu akzeptieren. Nach einigen Tagen der Schlaflosigkeit oder des Grübelns tun viele Menschen genau das, was ihnen in schwierigen Lebenslagen bisher immer geholfen hat: Manche suchen die Einsamkeit, andere vertrauen sich guten Freunden an, Dritte informieren sich oder organisieren ihren Alltag in neuer Form... "Ich bin schon in ein Loch gefallen, es ist mir sicher eine Woche schlecht gegangen, ich habe mich verschanzt, habe die Einsamkeit gespürt. Warum ich, warum ich, warum ich? Gleichzeitig dachte ich, dass ich stark sein muss. " Daniel, 37 Jahre Für die ersten Tage ist es wichtig zu wissen, dass schreckliche Gefühle der Anfangszeit vorübergehen werden, dass die HIV-Infektion mit den heute verfügbaren medizinischen Mitteln in den allermeisten Fällen in Schach gehalten werden kann und dass in aller Regel genügend Zeit bleibt, um in Ruhe gemeinsam mit einem Arzt oder einer Ärztin die notwendigen Maßnahmen zu besprechen. Es bewährt sich, in der Zeit unmittelbar nach dem positiven Testergebnis keine weitreichenden Entscheidungen zu treffen. Je mehr Sie über HIV wissen und speziell darüber, welche Auswirkungen die Infektion und die Behandlung auf Ihren Lebensalltag haben können, desto eher sind Sie in der Lage, konkrete Schritte zur Bewältigung Ihrer Lebenssituation zu unternehmen. Dieses Wissen wird Ihnen helfen, lähmende Angst zu bewältigen. Die Tatsache der HIV Infektion zu verdrängen, verstärkt dagegen häufig eine untergründige Angst. Nutzen Sie die Beratungsangebote der Aids Hilfen, von Ärztinnen/Ärzten Ihres Vertrauens selbst wenn Sie im Moment die Energie dafür kaum aufbringen. Es wird Ihnen danach wieder mehr Handlungsspielraum zur Verfügung stehen. Stellen Sie alle Fragen, die Ihnen in den Sinn kommen und die Sie beschäftigen. "Für mich wäre es sehr hilfreich gewesen, wenn ich gewusst hätte, ich bin nicht alleine, es gibt noch viele andere, die im gleichen Boot sitzen wie ich." Natalie, 26 Jahre Top Wem soll ich das sagen?Direkt nach der Diagnosemitteilung sollten Sie sich überlegen, wem Sie sich anvertrauen wollen, um für die akute Krise Unterstützung zu bekommen."Ich kam aus der Praxis. Ich suchte sofort Kontakt zu meinem Lebenspartner. Wir haben die Situation angeschaut. Er hat mir sehr geholfen." Andreas, 40 Jahre Leider kann die Mitteilung zuweilen auch zu unangenehmen oder enttäuschenden Situationen führen und Sie können die Information über Ihre Infektion nicht rückgängig machen. Solange Sie selbst noch sehr unsicher sind, was diese Nachricht für Sie bedeutet, empfiehlt es sich, nur mit Personen darüber zu sprechen, denen Sie wirklich vertrauen und auf deren Unterstützung Sie sich verlassen können. Nehmen Sie sich Zeit und greifen Sie bei Bedarf auf die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Aids Hilfen zurück. "Ganz am Anfang hatte ich das Bedürfnis, es ganz vielen zu sagen. Um den Schmerz und die Angst abzufedern. Aber das habe ich dann doch nicht gemacht. Nicht mal meine Mutter weiß es. Ich war in einer HIV-Positiven Gesprächsgruppe, und alle haben gesagt, sie würden das nicht mehr so vielen erzählen. Alles verändert sich dadurch schlagartig, gerade im Geschäftlichen, wo man sich emotional ja nicht so nahe ist. Da fühlen sich viele schon abgestoßen. – Ich habe dann eine Psychotherapeutin aufgesucht, ganz am Anfang schon. Ich wollte mit jemandem reden können, trotzdem. Das ist gut. Es nimmt den Druck, mit anderen darüber reden zu müssen." Thomas, 34 Jahre Übrigens: Die Information, dass Sie HIV-positiv sind, untersteht den Datenschutzbestimmungen. Das heißt, niemand darf diese Tatsache ohne Ihre Erlaubnis weitererzählen. Es kann sich lohnen, Ihre Gesprächspartner und -Partnerinnen ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, dass Ihre Privatsphäre rechtlich geschützt ist. Ärzte und Ärztinnen sollten auf jeden Fall das Geheimnis wahren. Sie unterstehen der ärztlichen Schweigepflicht. Wenn Sie in einer Beziehung leben, müssen Sie eine Entscheidung treffen, wie Sie Ihre Partnerin/ihren Partner darüber informieren bzw. eine HIV-Übertragung verhindern(Safer Sex oder kein Sex). Falls Ihnen das Gespräch mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin zu schwer fällt oder nicht gelingt, können Sie auch Unterstützung durch Ihren Arzt, Ihre Ärztin oder durch Mitarbeitende von Aids-Hilfen in Anspruch nehmen. "Ich habe mir zuerst überlegt, ob ich meiner Frau zurzeit noch nichts sage. Aber wir hatten seither auch miteinander geschlafen. Ich habe es ihr dann einfach so gesagt." Philip, 37 Jahre Top Wie ansteckend bin ich?"Als ich das Testresultat erhielt, bin ich in diesem Moment starr geworden. Und mir schoss durch den Kopf: Wer hat mich jetzt noch gern? Wer berührt mich jetzt noch? Wer steht noch zu mir? – Und dann habe ich zu weinen begonnen."Silvia, 38 Jahre "Mein Sexualleben hab ich damals abgebrochen, ich wusste nicht mal, ob man von der gleichen Gabel essen kann, ohne sich anzustecken, da war an Sexualität gar nicht erst zu denken." Christian, 55 Jahre Weder in Alltagssituationen noch bei körperlicher Nähe und zärtlichem Körperkontakt besteht ein HIV-Übertragungsrisiko. Das HI-Virus wird nicht übertragen:
Nur in folgenden Situationen besteht das Risiko, dass das HI-Virus zwischen Menschen übertragen wird:
Top Die Infektion mit dem HI-Virus: das WichtigsteMenschen sind täglich Krankheitserregern ausgesetzt: Bakterien, Pilzen, Viren usw. Deshalb verfügt der Körper über ein Abwehr- oder Immunsystem. Dieses wehrt Eindringlinge ab und macht sie unschädlich. Das bewahrt uns vor vielen Krankheiten und macht, dass beispielsweise eine Grippe wieder ausheilt.Eine wichtige Funktion bei der Abwehr übernehmen dabei die CD4-Zellen. Sie werden auch T4-Helferzellen genannt. Eine Infektion mit dem HI-Virus (HIV) schwächt über viele Jahre das Immunsystem, bis dieses seine Aufgabe nicht mehr genügend wahrnehmen kann. HIV steht für Human Immunodeficiency Virus - menschliche Immunschwäche-Virus. Viren sind kleinste Krankheitserreger. Sie können sich nicht selbstständig vermehren; sie benutzen menschliche Zellen für die Vermehrung. Das HI-Virus wählt dazu vor allem die CD4-Zellen des Abwehrsystems. Es befällt und zerstört also genau die Zellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern so wichtig sind. Der Körper wehrt sich jahrelang gegen das HI-Virus und bildet immer wieder neue CD4-Zellen. Und immer wieder zerstört das HI-Virus auch diese neu gebildeten CD4-Zellen. Ein davon betroffener Mensch merkt oft lange nichts von diesem Kampf zwischen CD4-Zellen und HI-Viren. Das Abwehrsystem bleibt lange ausreichend funktionstüchtig. Mit den Jahren nimmt die ständige Zerstörung von CD4-Zellen zu; die Zellen können sich immer schlechter erholen und sind immer weniger funktionstüchtig. Die heute verfügbaren medizinischen Therapien hindern das Virus daran, sich in den CD4-Zellen zu vermehren. Sie können das Virus selbst nicht zum Verschwinden bringen, bremsen oder stoppen aber die Zerstörung des Abwehrsystems. Wenn das Abwehrsystem deutlich geschwächt ist, kann sich der Körper nicht mehr genügend gegen neue, andere Krankheitserreger wehren. Jetzt können verschiedene Krankheiten ausbrechen, die ohne die Schwächung des Abwehrsystems nicht oder nur selten auftreten: z.B. Pilzinfektionen des Mundes und des Rachens, eine spezielle Lungenentzündung und weitere mehr. Diese Krankheiten werden als opportunistische Krankheiten bzw. Infektionen bezeichnet, weil die verursachenden Erreger die Opportunität (= Gelegenheit) des geschwächten Abwehrsystems ausnützen. Erst wenn eine dieser Krankheiten auftritt, spricht man von Aids. Einzelne dieser Krankheiten können unbehandelt zum Tod führen. Aids ist also keine eigene, selbstständige Krankheit, sondern das späte Stadium einer HIV-Infektion, die nicht erfolgreich behandelt wird. Top HIV-positiv: Was heißt das genau?"Positiv zu sein heißt nicht, ein verlorener Mensch zu sein. Das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt. Aber man muss Mut haben. Es ist nicht das Ende der Welt."Francis, 34 Jahre Ist der HIV-Test bestätigt positiv? Bestätigt positiv heißt: Beim ersten Test hat sich der dringende Verdacht ergeben, dass Sie HIV-positiv sind. Dieses Resultat wurde mit einer zweiten Blutprobe und einem zweiten Testverfahren überprüft und bestätigt. – Wenn Sie nur das Resultat des ersten Tests vorliegen haben, dann bedenken Sie: Falsche positive Erstresultate kommen vor! Lassen Sie sich unbedingt nochmals testen. Erst ein bestätigt HIV-positives Resultat bedeutet, dass Sie sich tatsächlich mit HIV infiziert haben. Was heißt HIV-positiv? Wenn Sie sich mit dem HI-Virus angesteckt haben, dann beginnt der Körper Abwehrstoffe - Antikörper zu bilden, die genau gegen diesen Krankheitserreger gerichtet sind. Bei einem HIV-Test wird das Blut darauf untersucht, ob solche spezifischen Antikörper vorhanden sind. Wenn der Test bestätigt positiv ausfällt, dann sind im Blut diese Antikörper, die das HI-Virus bekämpfen, gefunden worden. Eine mit Bestätigungstests geklärte HIV-Infektion heilt nicht aus. Die Diagnose HIV-positiv gibt aber keinen Hinweis darauf, wie lange jemand das HI-Virus schon in sich trägt oder wie weit die Infektion schon fortgeschritten ist. Die Diagnose sagt nur, dass jemand sich mit HIV infiziert hat, das Virus jetzt in sich trägt und es weitergeben kann. Die HIV-Infektion hat drei Phasen 1) Wenige Wochen nach der Ansteckung mit HIV kommt es bei vielen der Infizierten zu einer kurzen grippeartigen Erkrankung. In dieser Phase ist das Abwehrsystem noch nicht auf den Eindringling vorbereitet. Die Viren vermehren sich schnell; der Körper bildet aber bald Abwehrstoffe, die sich gegen das Virus wenden. "Im Moment ist ein Therapiebeginn kein Thema, noch nicht. Die Werte sind konstant gut." Thomas, 34 Jahre 2) Nachdem sich das Immunsystem auf den Eindringling eingestellt hat, folgt eine meist mehrjährige Phase, in der sich Abwehrsystem und Virus in steter Auseinandersetzung befinden. Davon merkt die betroffene Person aber kaum etwas; körperliche Beschwerden sind selten und eine medizinische Therapie vorerst auch nicht notwendig. "Man muss versuchen, sich sehr, sehr gut zu informieren. Was ist der Unterschied zwischen HIV und Aids. Man redet immer nur von Aids! Ich bin nicht an Aids erkrankt! Ich bin HIV-positiv; so rede ich auch davon. Das gibt Hoffnung, Kraft." Marina, 40 Jahre 3) Diese Phase geht zu Ende, wenn das Abwehrsystem deutlich geschwächt ist und erste Krankheiten auftreten, die auf diese Schwäche zurückzuführen sind. Diese Phase heißt Aids. HIV-positiv zu sein und Aids zu haben, bedeutet also nicht das Gleiche.Sehr viele Menschen erfahren von ihrer HIV-Infektion relativ spät. Vielleicht sogar erst, wenn opportunistische Krankheiten auftreten. Bei anderen wird die Infektion schon ganz am Anfang, kurz nach der Ansteckung, festgestellt. Wenige leben sogar seit mehr als 15 Jahren mit der HIV-Infektion, haben nie eine Therapie gemacht und sind dennoch nicht an Aids erkrankt. Jeder Körper reagiert anders auf den Virus. Aber nur wer seine Blutwerte regelmäßig überprüfen lässt, weiß, wie hoch seine Viruslast ist und in welchen Zustand sich sein Immunsystem befindet. Auf der Basis dieser beiden Informationen, kann dann die Entscheidung getroffen werden, ob eine Therapie notwendig ist. Top Medizinische Therapien: das WichtigsteDie heute verfügbaren Medikamente gegen HIV sind Tabletten, Kapseln, Sirup oder Pulver, die zurzeit täglich ein-, zwei- oder dreimal eingenommen werden müssen. Nur die Kombination von verschiedenen führt zum angestrebten therapeutischen Ziel. Deshalb spricht man von der Kombinationstherapie gegen HIV.Die Medikamente dieser Therapien erschweren die Vermehrung des Virus in den Zellen des Immunsystems. Sie können das HI-Virus aber nicht aus dem Körper vertreiben. Das heißt, sie können die HIV-Infektion aber nicht heilen. Die Medikamente verzögern jedoch den Verlauf der HIV-Infektion entscheidend. Sie halten das Virus in Schach. Damit können sie die weitere Schwächung des Abwehrsystems stoppen und sogar dazu verhelfen, dass sich ein bereits geschwächtes Abwehrsystem wieder erholen kann. Die zeitliche Lebenserwartung von Menschen mit einer HIV-Infektion ist dank dieser Therapien unter Umständen ähnlich der von Menschen ohne HIV-Infektion. Trotzdem darf man die Therapien nicht auf die leichte Schulter nehmen. 1) Nach heutigem Wissensstand ist die Kombinationstherapie gegen HIV eine Langzeitbehandlung. Denn eine Kombinationstherapie gegen HIV wirkt nur in der Zeit, während der man die Medikamente regelmäßig einnimmt. Voraussichtlich müssen die Tabletten ein Leben lang eingenommen werden. 2) Eine Kombinationstherapie ist in der Regel erst dann nötig, wenn das Immunsystem schon geschwächt ist – zumeist erst einige Jahre nach der Infektion mit dem Virus. Es ist deshalb wichtig, dass Sie zuerst abklären wie sich Ihr Immunsystem (CD4 Zellen) entwickelt, wie hoch die Viruslast ist und wie es um Ihren aktuellen Gesundheitszustand im allgemeinen bestellt ist. 3) Für den Erfolg einer Kombinationstherapie gegen HIV ist es entscheidend, dass man die Medikamente genau nach Plan einnimmt. Man sollte keine Einnahme vergessen – ein-, zwei- oder dreimal am Tag, sieben Tage die Woche und auch während der Ferien. Die Gefahr ist sonst groß, dass das HI-Virus auf die Medikamente nicht mehr anspricht und die Therapie nicht mehr nützt. Fragen Sie sich daher vor dem Therapiebeginn, ob Sie genügend darauf vorbereitet sind, ob Sie die Therapiebedingungen einhalten können und wollen. Besprechen Sie, wenn Sie so weit sind, mit dem Arzt oder der Ärztin, was für Sie der beste Plan ist. Ihre persönlichen Bedürfnisse sind dabei genauso wichtig wie die wissenschaftlichen und medizinischen Empfehlungen. 4) Ähnlich wie andere starke Medikamente hat auch eine Kombinationstherapie gegen HIV häufig Nebenwirkungen (zum Beispiel Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit, Ausschläge, Schlafstörungen). Einige dieser Nebenwirkungen treten vor allem unmittelbar nach dem Therapiebeginn auf und verlieren sich im Verlauf weniger Wochen wieder. Andere Nebenwirkungen (z.B. Fettumverteilungsstörungen) machen sich erst nach geraumer Zeit bemerkbar. Lassen Sie sich vor dem Beginn einer Therapie gut beraten. Langfristig sollte es möglich sein, dass keine bzw. kaum Nebenwirkungen in der Therapie auftreten. 5) Die Therapien wirken nicht bei allen Menschen gleich gut. Es kann sein, dass Sie sich mit Viren angesteckt haben, bei denen gewisse Medikamente nicht mehr wirksam sind. Wenn dieser Verdacht besteht, geben Resistenztests Auskunft, welche Wirkstoffe für Sie geeignet sind. Top Die richtige Ärztin/den richtigen Arzt finden"Ich sage allen schon in der ersten Sitzung, sie sollen sich überlegen, wer die medizinische Betreuung machen soll. Es sollte so laufen, dass sie sich zufrieden fühlen. Schließlich handelt es sich um eine Langzeitbetreuung."S. N., Arzt Mit wenigen Ausnahmen sind die meisten Menschen in Österreich krankenversichert. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sichern allen auch das Recht zu, sich einen Arzt oder eine Ärztin ihrer Wahl zu suchen. Machen Sie Gebrauch von Ihrem Recht auf freie Arztwahl. Sehr viele Menschen mit einer HIV-Infektion sagen aus ihrer Erfahrung, dass es enorm wichtig ist, einen Arzt zu finden, bei dem man sich wohl fühlt und der fachlich ausreichend über die Behandlung einer HIV-Infektion Bescheid weiß. Die Behandlung einer HIV-Infektion verlangt fachliches Spezialwissen. Die meisten Hausärzte haben keine Erfahrung mit den sich rasch ändernden Therapien gegen HIV. Deshalb wird Ihr Hausarzt in der Regel mit einem HIV Behandlungszentrum zusammenarbeiten. Damit haben Sie dann neben ihrem praktischen Arzt auch HIV-Spezialisten zur Seite, der sich mit allen wichtigen Themen der HIV Infektion gut auskennt. "Am Ende des vierten Monats nach der Diagnose habe ich mich entschieden, den Arzt zu wechseln. Der neue kann sehr gut zuhören und erklären. Seither geht's mir eindeutig besser, und ich gewinne wieder Hoffnung". Doris,36 Jahre Niemand kann Ihnen vorschreiben, wann Sie wieder zu Ihrer Ärztin /Ihrem Arzt gehen. ABER: Mit der nächsten ärztlichen Untersuchung sollten Sie nicht länger als drei Monate zuwarten! Dabei werden Sie Antworten auf offene Fragen bekommen und vor allem wird geklärt: Ist die allgemeine Gesundheit gut? Ist die Immunabwehr intakt oder zeigen sich Schwächen? Die regelmäßigen Untersuchungstermine, alle drei Monate, sind eine gute Grundlage, um den Stand und den Verlauf der HIV-Infektion einzuschätzen. "Ich verdrängte das völlig. Suchte einen Job. Lebte wie eh und je. Ich wollte nichts wissen von dem ganzen HIV-Zeug. Ich wollte gleich sein wie die andern. Obwohl ich wusste: Ich bin's nicht mehr." Eric, 42 Jahre Konkret geht es bei den Arzt- bzw. Ambulanzterminen um die Frage, ob eine medikamentöse Therapie jetzt schon empfehlenswert ist oder ob man noch zuwarten kann. Eine rechtzeitig begonnene Behandlung gegen HIV kann Ihnen schwere Erkrankungen ersparen. Top Was will ich von meiner Ärztin/meinem Arzt wissenScheuen Sie sich nicht, alles zu fragen, was Sie wissen wollen.
Betrachten Sie Ihre Ärztin/Ihren Arztin als medizinisch fachkundige Auskunft und Beratungsperson. Nach der Beratung entscheiden Sie, was Sie wollen und was nicht. Auch wenn Ihnen dringend geraten wird, mit einer Therapie zu beginnen: Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie diesen Rat annehmen oder nicht! Schließlich müssen dann Sie die Medikamente einnehmen, Sie müssen mit der Therapie klarkommen – und es betrifft Ihr Leben, wenn Sie noch zuwarten wollen. "Durch die HIV-Infektion hat sich mein Verhältnis zu Ärzten verändert. Ich war erzogen worden, Respekt zu haben. Aber jetzt denke ich: Es sind auch nur Menschen. Sie können mir raten. Nur die Entscheidung muss ich selbst treffen." Agnes, 47 Jahre Top Jetzt gleich eine Therapie oder erst später?"Damals, als ich so krank war, ging es mir wirklich sehr schlecht. Aber ich wollte mich nicht zu einer Therapie überreden lassen. Ich wartete lange, bis ich endlich anfing."Johann, 46 Jahre "Es ist wirklich toll, dass es die Kombinationstherapie gibt. Nicht mehr tagtäglich vor der Panik: Wann werde ich krank? Sterbe ich bald? Dank der Medikamente habe ich wieder ein gutes Leben." Tanja, 35 Jahre Für die Zukunftsprognose und um zu wissen, ob zum jetzigen Zeitpunkt eine Therapie empfehlenswert ist, ist es wichtig herauszufinden, wie weit fortgeschritten die HIV-Infektion ist. Zwei Messwerte geben darüber Auskunft: 1) Die Anzahl der CD4-Zellen - CD4-Wert. Im gesunden Zustand hat ein Mensch ca. 1.000 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut. Im Verlauf der HIV-Infektion nimmt diese Anzahl ab. Wenn sie unter 350 bis 200 Zellen gesunken ist, wird empfohlen, mit einer Therapie gegen HIV zu beginnen. Denn dann steigt das Risiko stark, an opportunistischen Infektionen zu erkranken. 2) Die Virusmenge im Blut, auch Viral Load genannt. Unter sehr gut wirksamen Therapien vermehren sich die Viren im Körper so wenig, dass sie im Blut nicht mehr gemessen werden können. Ohne Behandlung kann die Virenmenge einige Zehn- bis Hunderttausend pro Milliliter Blutplasma betragen, aber auch auf über eine Million steigen. Wie entscheide ich mich? Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um sich für oder gegen eine Therapie zu entscheiden. Vielleicht geht Ihnen das alles zu schnell. Dann warten Sie zu! Vielleicht brauchen Sie mehr Informationen. Dann lassen Sie sich vom Arzt oder von der Ärztin erklären, was Sie wissen wollen. Es ist Ihr Entscheid, ob Sie eine Therapie beginnen wollen oder nicht. Es geht um Ihre Gesundheit. Niemand kann Ihnen diese Verantwortung abnehmen, niemand kann Sie zu einer Therapie zwingen – und niemand darf Ihnen eine Therapie vorenthalten, wenn sie aus medizinischen Gründen angebracht ist und Sie diese wünschen. Besprechen Sie Ihre diesbezüglichen Sorgen und Bedenken mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt. Fällen Sie keine Entscheidung, nur um sich mit dem Thema nicht mehr beschäftigen zu müssen. Und: Auch wenn Sie sich momentan gegen eine Therapie entscheiden, wird Ihre medizinische Betreuung aufrecht bleiben. Therapie der fortgeschrittenen Infektion Aus medizinischer Sicht ist die Therapie der fortgeschrittenen HIV-Infektion unbedingt empfohlen. Und viele Menschen mit HIV, denen es bereits sehr schlecht ging, erlebten den Beginn einer Kombinationstherapie – trotz der damit verbundenen Probleme – wie ein geschenktes neues Leben. Wichtig: Die erste Behandlung gegen HIV ist jene mit den besten Wirkungschancen. Überprüfen Sie deshalb, ob Sie alles wissen, was Sie wissen müssen und wissen wollen, bevor Sie mit einer Therapie beginnen. Therapie kurz nach der Infektion Selten wird die HIV-Diagnose in den ersten Wochen nach der HIV-Übertragung, gestellt. Wenn Ihre Infektion erst wenige Wochen zurückliegt, dann kann dies ein Anlass sein, sofort eine Therapie zu beginnen. Falls Sie sich dazu entscheiden, müssen Sie sehr schnell – in der nächsten Woche – handeln. Aber lassen Sie sich nicht zu etwas drängen, wozu Sie nicht Ja sagen können, denn nach heutigem Wissen handelt es sich um eine lebensbegleitende Therapie! Top Sexualität: Wie weiter?"Nachdem ich von meiner HIV-Infektion erfahren habe, da gab es am Anfang die absolute sexuelle Lustlosigkeit. – In dem Maß, wie der Schock nachließ, kam auch die Lust wieder."Jan, 45 Jahre Sehr viele Menschen, die neu erfahren, dass sie HIV-positiv sind, verlieren am Anfang alle Lust auf Sexualität. Sie können sich nicht vorstellen, je wieder Sexualität zu erleben oder von jemandem begehrt zu werden. Nach dem ersten Schock kehrt aber die Lust in aller Regel zurück. Und sehr viele Menschen mit HIV oder Aids bezeugen, dass sie nach dem anfänglichen Schock wieder zu einer gleich lustvollen Sexualität gefunden haben wie vordem. Denken Sie aber daran: Die HIV-Infektion ist sexuell übertragbar – auch dann, wenn Sie sich selber gesund fühlen oder eine wirksame medizinische Therapie durchführen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie ausschließlich Safer Sex praktizieren. Safer Sex, das heißt: Bei jedem Geschlechtsverkehr mit Eindringen (vaginal oder anal) ein Präservativ verwenden. Wenn Sie sich mit dem Mund (oral) befriedigen lassen, dann achten Sie darauf, dass kein Sperma bzw. kein Menstruationsblut in den Mund Ihres Partners oder Ihrer Partnerin gelangt. Auch Sie selber sollten diese Regel für sich beherzigen, wenn Sie jemanden oral befriedigen. Diese Regeln sollten Sie selbst dann einhalten, wenn Sie bei einer "Kurzbekanntschaft" davon ausgehen, dass Ihre Partnerin/Ihr Partner ebenfalls HIV-positiv ist. Sie könnten sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (z.B. Syphilis, Hepatitis B, Herpes)anstecken. Menschen mit einem weniger leistungsfähigen Immunsystem sollten unbedingt weitere Infektionen vermeiden. Sie haben ein größeres Risiko für Komplikationen. Möglicherweise haben Zusatzinfektionen auch einen schlechten Einfluss auf den Verlauf der HIV-Infektion. "Ich schütze die anderen mit Kondomen vor einer Übertragung – aber sagen muss ich es nicht, dass ich HIV-positiv bin." Tanja, 29 Jahre Wichtig:
Top Post-Expositions-Prophylaxe (PEP)Dieser Text stammt von Dr. Horst Schalk (Allg. Mediziner in Wien mit HIV Schwerpunktpraxis) "Ich wollte eigentlich nur noch Sex, was das Zeug hält – so nach dem Motto: Halt dich ran, wer weiß, wie viel Zeit du noch hast."Stefan, 33 Jahre Die Postexpositionsprophylaxe, kurz PEP genannt, ist der Versuch das Risiko einer HIV-Infektion nach einer Exposition (Kontakt mit virushältigem Material) zu verringern. Ursprünglich nur nach Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal eingesetzt, wird die Postexpositionsprophylaxe in bestimmten Fällen (Risikokontakt mit einer/m HIV-Positiven) auch nach einem sexuellen Risiko eingesetzt. Die Postexpositionsprophylaxe ist im Prinzip nichts anderes als die Einnahme der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) für mehrere Wochen. Die Einnahme sollte so rasch wie möglich, jedoch längstens 48 Stunden nach dem Risiko erfolgen. Eine Möglichkeit ist es, sofort nach dem Zwischenfall die Medikamente des positiven Partners einzunehmen und unverzüglich eine HIV-Ambulanz zu kontaktieren. Dort kann dann nach Erfordernissen (eventuell bestehende Resistenzen) die Therapie modifiziert werden. Neben der Einnahme der Medikamente stellt auch die Reinigung der betroffenen Körperstelle (Mund, äussere Geschlechtsteile, Auge) mit Wasser oder einem schleimhautverträglichem Desinfektionsmittel (z.B. Betaisodona-Lösung) eine entscheidende Präventionsmassnahme dar. Bei Körperhöhlen (Vagina, Mastdarm) sollte man von Spülungen Abstand nehmen, da sie die infektiöse Flüssigkeit nur noch höher in den Körper spülen würden. Die Postexpositionsprophylaxe ist ein Versuch das HIV-Infektionsrisiko zu senken, kann sie aber nicht sicher verhindern und stellt daher keine Alternative zu Safer-Sex dar! Bitte nehmen Sie im Falle eines Risikos unverzüglich persönlich oder telefonisch - nicht per E-Mail - mit einem Zentrum Kontakt auf. Bei einer PEP zählt jede Stunde! Ansprechpartner für die PEP: Kärnten: LKH-Klagenfurt, 1. medizinische Abteilung A-9026 Klagenfurt, St.Veiterstrasse 47 Tel: 0463/ 538/ 22960 Wien, Niederösterreich, Nordburgenland: AKH-Wien Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten Süd B, A-1090 Wien, Lazarettgasse 14 Tel: 01/ 40 400/ 4240 SMZ-Otto Wagner Spital (ehemals pulmologisches Zentrum Baumgartner Höhe) 2. Interne Abteilung, A-1140 Wien, Sanatoriumstrasse 2 Tel: 01/ 91 060/ 42710 Oberösterreich: AKH-Linz, Abteilung für Dermatologie, A-4020 Linz, Krankenhausstrasse 9. Tel: 0732/ 7506/ 3740 Salzburg: LKH-Salzburg, Dermatologische Abteilung A-5020 Salzburg, Müllner Hauptstrasse 48 Tel: 0662/ 4482/ 3023 Steiermark, Südburgenland: LKH-Graz West (ehemals LKH-Graz, IV. medizinische Abteilung) A-8021 Graz, Göstingerstrasse 22 Tel: 0316/5466/ 4386 (Ambulanz) + 4341 (Station) Tirol: LKH-Innsbruck Universitätsklinik für Dermatologie, HIV-Ambulanz und Station A-6020 Innsbruck, Anichstrasse 35 Tel: 0512/ 504/ 4847 (Ambulanz) + 2987 (Station) Vorarlberg: LKH-Feldkirch, Interne Abteilung A-6800 Feldkirch, Carinagasse 47-49 Tel: 05522/ 303/ 3690 Top Und am Arbeitsplatz?"Am Montag nach dem Test ging ich wieder arbeiten. Das Arbeiten hat mir eigentlich gut getan. Ich bin wirklich kein Workaholic. Aber das Arbeiten gab mir ein bisschen Halt. Ich habe in der ersten Zeit sicher ein bisschen mehr gearbeitet, mich etwas in die Arbeit verkrochen. Aber die Routine, die immer wiederkehrende Tätigkeit gab mir eben Halt." Karin, 29 Jahre In keinem Fall sind Sie verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber darüber zu informieren, dass Sie HIV-positiv getestet wurden. Unabhängig von Ihrem Beruf: Im Alltag besteht kein Risiko, dass Sie jemanden mit HIV infizieren könnten. Auch als Metzger beispielsweise oder als Krankenschwester oder im Gastgewerbe besteht deshalb keine Informationspflicht! "Im Geschäft weiß es niemand, und ich möchte das auch nicht. Wir hatten einmal ein Meeting um die Frage, ob man dem Chef sagen muss, wenn man eine ansteckende Krankheit hat. Ich arbeite im Gastrobereich. Die Antwort war ein klares Ja. Da habe ich gefragt: «HIV auch?» Sie antworteten, selbstverständlich müsse man das sagen. Dem habe ich widersprochen und sie gefragt, was sie machen würden, wenn ich HIV-positiv wäre. Eine Frau hat gesagt: «Ich würde dir die Hand nicht mehr geben.» Das waren schreckliche Sachen. Gut, sie ist eine sehr ängstliche Person, schon wenn jemand eine Grippe hat, hat sie Angst. Einige haben gut reagiert, andere haben signalisiert, dass sie dann mir lieber nicht zu nahe kämen. – Es fehlt einfach an Information." Andreas,41 Jahre In aller Regel bewährt es sich am Arbeitsplatz sehr zurückhaltend mit der Diagnose umzugehen. Und auch dann, wenn Sie nach der Befundmitteilung ein großes Bedürfnis haben, mit anderen darüber zu sprechen, sollten Sie sehr vorsichtig damit umgehen. Es ist ein Geheimnis – ein psychisch belastendes – das Sie hüten, um sozial nicht Schaden zu nehmen! Sollten sie an Aids erkranken, erhält der Arbeitgeber – wie bei jeder anderen Krankheit auch – die Diagnose nicht mitgeteilt! Auch bei der Stellensuche müssen Sie Ihre Diagnose nicht offen legen: weder in Ihren Bewerbungsunterlagen noch im Bewerbungsgespräch. Nur wenn eine diagnostizierten Aidserkrankung vorliegt, sind Sie verpflichtet auf den Umstand einer diagnostizierten chronischen Erkrankung hinzuweisen. Sie müssen die Diagnose AIDS auch hier nicht bekanntgeben. Top |
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